ADHS beeinflusst das gesamte Leben der Betroffenen, ob im Kindes- oder Erwachsenenalter.
Und: Nein, „das verwächst sich“ mit dem Erwachsenwerden nicht. ADHS bleibt einem das ganze Leben erhalten. Viele Erwachsene mit ADHS eignen sich aber mit der Zeit Copingstrategien an, um mehr oder weniger gut in einer Welt zurechtzukommen, die nicht für sie geschaffen ist.
Viele Erwachsene wissen gar nicht, dass sie ADHS oder auch die Kombination ADHS und Autismus haben. Oft finden Erwachsene es erst dann heraus, wenn eins ihrer Kinder mit ADHS diagnostiziert wird – und sie erkennen, dass die Diagnosekriterien auch auf sie zutreffen.
Die Symptome von ADHS wirken sich auf alle Bereiche des Lebens aus: vom Beruflichen über die Gesundheit bis in die Beziehungen hinein. Alle Bereiche werden von ADHS geprägt – im Positiven wie im Negativen.
In diesem Beitrag gehe ich stärker auf die als negativ empfundenen Aspekte ein, die positiven Seiten behandle ich auf der Seite „ADHS verleiht Flügel, nein: Superkräfte“ (ist noch in Arbeit).
ADHS hat eine ganze Reihe von Auslösern: neurobiologische Ursachen sowie Umwelteinflüsse.
Eine zentrale Ursache ist (vereinfacht gesagt) Dopaminmangel im Gehirn. Die Übertragung des Botenstoffs Dopamin ist bei Menschen mit ADHS beeinträchtigt, insbesondere in den für Belohnung und Motivation zuständigen Gehirnregionen.
Ausführlicher erläutere ich die Ursachen auf einer eigenen Seite.
Wichtig ist hier nur: ADHS ist vererbbar. Die Erblichkeit von ADHS liegt bei etwa 80 Prozent, andere Studien sprechen sogar von 77 bis 88 Prozent.
Entwicklungsstörungen, Hirnverletzungen sowie der Kontakt mit bestimmten Giftstoffen (etwa Blei) können die Entstehung von ADHS begünstigen. Und extreme Belastungen und Traumata können die Schwere von ADHS-Symptomen verstärken.
Was dagegen keine Rolle spielt: „schlechte Erziehung“, zu viele Videospiele oder zu viel Zucker.
ADHS ist ein hoher gesundheitlicher Risikofaktor und führt in mehreren Bereichen zu Problemen.
ADHS ist ein hoher gesundheitlicher Risikofaktor und führt in mehreren Bereichen zu Problemen.

Menschen mit ADHS sind spontan, haben Humor und Spaß. Und gerade zu Beginn einer Beziehung werfen sie alles in die Waagschale, was sie haben. Schwierig wird es, wenn der Reiz des Neuen verflogen ist und der Partner/die Partnerin das vorher so liebevolle, interessierte Gegenüber voller Überraschungen vermisst.
Mit der Zeit stören dann die negativen Seiten des ADHS, und der Partner/die Partnerin beginnt, das ADHS-Gegenüber zu kritisieren, beispielsweise dafür, dass er oder sie ständig Verabredungen vergisst, Aufgaben nicht zu Ende bringt, nicht aufräumt und überhaupt so unorganisiert ist. Dann reagieren ADHSler oft sehr empfindlich und sind schnell gekränkt. Daraus können heftige Streits und nachhaltige Kränkungen entstehen.
Vor allem dann, wenn beide Seiten das Geschehen persönlich nehmen und Vergessen missinterpretieren als „kein Interesse mehr an mir“ bzw. Kritisieren als „liebt mich nicht mehr“ auffassen oder als „ich bin ihm/ihr nicht (gut) genug“.
Hier hilft: Wissen um die Besonderheiten bei ADHS, Akzeptanz und liebevoller Umgang mit den Eigenheiten des anderen.

Wenn Kinder da sind, hat oft eins davon (oder sogar mehrere) ebenfalls ADHS oder ADS. Gerade die Hyperaktivität eines Kindes macht es für den Rest der Familie schwierig, weil das Kind viel Aufmerksamkeit auf sich zieht und mehr Zuwendung braucht - die anderen kommen dann oft zu kurz.
Auch die Elternbeziehung kann unter den Belastungen leiden. Schwierig wird es zudem, wenn das weitere Umfeld (Verwandtschaft, Nachbarn, Schule) negativ auf das Kind mit ADHS reagiert und die „schlechte Erziehung“ durch die Eltern kritisiert. Unverständnis („ADHS? Ist doch nur ein neuer TikTok-Hype.“) oder Ablehnung von Medikation durch Verwandte machen die Situation nicht leichter.

Menschen mit ADHS brauchen Verständnis und Akzeptanz, gleichzeitig tun sie sich schwer damit, Kontakt mit Freunden aufrechtzuerhalten. Soziale Interaktion sind schwierig: ein Gespräch anfangen, Smalltalk, zuhören, ohne den anderen zu unterbrechen - all das fällt Menschen mit ADHS nicht leicht.